7 grudnia 2013

Musik zur Stille

Die Krakauer Band Klezzmates beglückt ihr Publikum in Dresden

Es ist, als schlängeln sich die Melodien um ihre Stille herum. Sie erreichensie nicht, kreisen sie aber ein, als wollten sie sie stellen. Doch die Stille entwischt immer wieder.

Musik über die Stille – paradox, natürlich. Aber manches scheint unmöglich, was die Klezzmates aus Krakau am Sonntagabend im Kleinen haus bieten. Und dennoch: Ganz real stehen die fünf Musiker auf der atmosphärisch bunt beleuchteten Bühne, umschwebt von den Tönen, die sie Klarinette, Violine, Akkordeon, Kontrabass und Schlagzeug entlocken, mal überirdisch schön, mal herzzerreißend traurig, mal mitreißend fröhlich. Wie Pingpong – Bälle spielen sie sich die Melodie zu. Ein akkurates Zusammenspiel aus Annahme, Variation und Weitergabe, das Finesse und Fairness und spürbare Spielfreude beweist.

„A sad song for D.” entwickelt sich zu einer Meditation über die Zeit. Vor dem Hintergrund der tickenden Uhr schwingt sich die Melodie aufwärts, wird von immer mehr Instrumenten übernommen. Gemeinsam gelingt es, der Rücksichtslosigkeit der vergehenden Zeit etwas Eigenes, Schönes entgegenzusetzen – auch wenn das weiterhin gleich bleibende Ticken dem Ganzen den Stempel aufdrückt.

Überhaupt kann das Wörtchen „trotzdem” am besten illustrieren, was Klezmer ist – und der liegt auch den Stücken des Klezzmates bei aller Beimischung von Jazz und zuweilen arabischer anmutender Folklore zugrunde. Trotz aller Trauer, aller Wehmut, aller Schicksalsschläge, aller bevorstehender Abschiede – trotz alledem tanzen wir ins Mondlicht (so ein Titel) und nutzen die uns zugemessene Zeit.

Die Klezzmates ist eine junge Band; erst vor drei Jahren trafen sich die fünf Musiker an der Krakauer Musikhochschule. „Reflections ” heißt ihre zweite CD, die sie zu ihrem zweiten Konzert nach Dresden brachte. „Nächstes Jahr kommen wir wieder”, verspricht Marcin Wiercioch hinter seinem Akkordeon. Auch das quittiert das Publikum mit frenetischem Beifall.

(Valeria Heintges, Sächsische Zeitung”, 15.01.08 r.)

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